Meh Fuessball – Weniger FIFA

Die Polemiken rund um Fussball, Kommerz und salonfähigen Nationalismus werden im Vorfeld jeder internationalen Fussballmeisterschaft wieder intensiver geführt. Es sind sich fast alle einig, dass die Spiele eine Plattform für Wirtschaft und Politik sind um sich in gutem Licht zu präsentieren oder Umsätze in astronomischen Höhen zu erzielen. Sobald die Spiele aber beginnen, werden die Diskussionen beiseite geschoben und alle Blicke richten sich nur noch auf Leinwände und Fernseher. So wird es auch dieses Jahr wieder sein – in praktisch allen Restaurants, Bars und Plätzen der Stadt, inklusive dem Park Platz. Trotzdem wollen wir uns aktiv gegen Nationalstolz und Patriotismus stellen und finden es wichtig, die WM kritisch zu beleuchten. Das Übertragen der Spiele und die gleichzeitige Kritik an der WM sowie der FIFA und ihren Machenschaften stehen in einem direkten Widerspruch zueinander - einem, den wir nicht auflösen können und der verschiedene Ursprünge hat. Auf der einen Seite ist der Park Platz ein heterogenes Gebilde mit verschiedenen Menschen und Meinungen zu diesem Thema, so dass WM und Gegenveranstaltung in wenigen Metern Entfernung stattfinden werden. Auf der anderen Seite macht Kritik vor allem da Sinn, wo sie auch Empfänger hat. Wir möchten besonders diejenigen erreichen, die alle Jahre wieder ihren Nationalstolz hervorholen und darüber hinwegsehen, was hinter der Maschinerie des modernen Fussballs steckt. Das subtile Vermitteln von nationaler Einheit wollen wir dekonstruieren und auch jenen Raum bieten, die keinen Bock auf FIFA, Gazprom & Co. haben.

Die Spiele der vergangenen Jahre und die mit ihnen einhergehende Einführung rigider Gesetze zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit und die Vertreibung von armen und marginalisierten Bevölkerungsteilen aus ihren Quartieren bieten genauso viele Gründe dieser Veranstaltung den Rücken zu kehren, wie die bevorstehenden Anlässe in Russland in diesem Jahr oder in Katar 2022. Orchestriert wird die WM alle vier Jahre von der FIFA und ihren Funktionär*innen, die den Fussball vollständig der Kommerzialisierung unterworfen haben, um auch aus den letzten Ecken des Fussball-Geschäftes noch einen Rappen auszugraben. In Zusammenarbeit mit internationalen Konzernen und Politiker*innen flackert eine vermeintlich heile Welt über den Bildschirm – während dem in den Favelas von Rio hunderte Menschen umgesiedelt und dutzende getötet wurden, in Russland Zwangsarbeiter*innen die Stadien bauten oder in Katar unzählige Gastarbeiter*innen während den Arbeiten für die neuen Stadien gestorben sind. Das alles, für ein paar Wochen Spektakel, das als Beruhigungspille wirkt und dabei auch noch die Taschen multinationaler Konzerne, ihren Manager*innen und der in Zürich ansässigen FIFA–Funktionär*innen füllt. Brot und Spiele.

Auf der Aktionsfläche vom Park Platz gibt es während der WM einen kleinen Strassenfussballplatz um Fussball zu spielen anstatt zu konsumieren. Es gibt Infotafeln, ein Töggeliturnier und verschiedene Specials zum Thema Fussball, FIFA und Nationalismus. Dabei soll es sich nicht nur, aber auch um die wichtigste Eigenschaft von Fussball drehen: den Spass. Rund um diesen Platz gibt es verschiedene Möglichkeiten zum kritischen Diskurs – entweder im Gespräch mit anwesenden Besucher*innen oder bei Veranstaltungen zu den Machenschaften der FIFA und ihrer Verbündeten, sowie Inputs zu allgemeinen Problematiken rund um Fussball und Diskriminierung. Es geht uns dabei nicht darum, irgendwelche Widersprüche aufzulösen, oder einen Rahmen für verantwortungsvollen Konsum zu schaffen, sondern existierende Widersprüche innerhalb und ausserhalb vom Park Platz offenzulegen und sie dadurch zum Thema zu machen – auf spielerische und auf ernsthaftere Art. Der moderne Sport ist eingebettet in Konsumwut und politischem Machtstreben. Dies wollen wir auf unterschiedliche Weise beleuchten, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit bieten gemeinsam zu spielen, zu reden und zu lachen.

 

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Aus dem Leben eines Park Platz’
In dieser Ausgabe lassen wir die Menschen auf dem Park Platz über den Park Platz sprechen. Ein paar Anekdoten zum Leben am Letten:


"Ich kreuze mit Freunden gegen den Wind auf dem Zürichsee und geniesse meine Segelferien. Da geht mein Handy. Gian vom Park Platz ist dran. Er muss nochmals zum x-ten Male wieder zig angepasste Baupläne für die Lettenbrache einreichen, die ich dringend unterzeichnen muss. Also kommt er angerudert und wir unterschreiben was das Zeug hält. Dass ein simpler Bau-Container für den Park Platz, eine ganz normale Baubewilligung braucht, eine wie z.B. die für ein neues Fussballstadion, können wir beide nicht begreifen. Da gibt’s keine Ausnahme, Zwischennutzung hin oder her. Anderthalb Jahre und gefühlte tausend Unterschriften später sind die Bewilligungen endlich im Kasten und wir beide sind klüger: Das nächste Mal bauen wir auf dem Park Platz lieber gerade ein Fussballstadion. Wir wissen ja jetzt, wie das geht."

„D’Schissi lauft immer ab“, brüllte Urs mit kritischem Blick und Zigarette im Mundwinkel und trieb uns damit beinahe in den Wahnsinn. Wir versuchten an diesem nasskalten Wintertag den Anschluss unserer zukünftigen Toiletten, die bisher erst leuchtfarbige Markierungen auf Beton waren, ans Kanalisationsnetz der Stadt fertigzustellen. Dazu mussten wir mitten durch den Park Platz einen schmalen, rund zehn Meter langen Graben ausheben und darin dann die Abflussrohre aus dickem, schwarzem Hartplastik einbetonieren. Und das nicht irgendwie sondern streng nach Vorschrift mit zehn Grad Gefälle. Die Stadt würde den umbau sonst nicht abnehmen, wir müssten die Rohre professionell verlegen lassen und dafür hatten wir natürlich kein Geld. Also versuchten wir uns im mühseligen Verlegen der Rohre und trotz der Hilfe eines futuristischen Laser-Neigungsmessers verschob sich ständig irgendwas und die zehn Grad Gefälle waren erneut dahin. Mehr als uns lieb war schaute uns Urs bei der Arbeit über die Schulter. Urs, der richtige Bauarbeiter, der auf der anderen Seite des Zauns den Kanalisationsanschluss für die Stadt bereit gemacht hat. Er erinnerte uns fleissig daran, dass wir uns also ziemlich umständlich anstellen würden und, dass die zukünftige Darmproduktion der Parki-Gäste dann ihren Weg auch finden werde, wenn wir nicht exakt zehn Grad Steigung hätten. Aber seine weisen Worte befreiten uns natürlich nicht von den Vorgaben der Stadt, was wir ihm auch mit grosser Geduld zu erklären versuchten, ihn aber nicht im Geringsten beeindruckte. Wir fügten uns den bürokratischen Richtlinien und gaben nicht auf, bis wir schlussendlich die geforderten zehn Grad Steigung einbetonieren konnten.“

„Mir sind de ganzi Sunntig im Kafi gsässe bim Mitbring-Brunch. Es isch es gmüetlichs umesitze gsi, immer wieder vom feine Buffet esse, guete Kafi trinke, spieli spille und lache! Ich han eifach nöd chöne gaah, es isch sone warmi und lustigi Atmosphäre gsi – und so bini gueti acht Stund eifach chli im Parki Kafi gsi. Eimal hämmer „Wer bin ich“ gspillt, und d’Barista isch zwüschetdurre mitem Zetteli ufde Stirn im Kafi umegschwirrt und hätt d‘Lüüt bedient. Natürli hätt‘s so müese cho, dass ei Kundin verwunderet luut de Name ufem Zätteli uf de Stirn vorlisst: „Globi“ - s’ganze Kafi hät luut glachet und es isch eifach köstlich gsi. Für mich wärdet ufem Park Platz ganz Fremdi lüüt zu Vertraute, mit dene mer lache und teile chan, öpis undernäh und öpis bewürke chan.“


„Zu meinen frühen und schönsten Erinnerungen gehört jener sehr verregnete Sommer, in dem der Minicirc auf dem Parkplatz Letten gastierte. Stephan Dietrich und Irmi Fiedler führten «eine Road-Story zum Abhauen und Abheben» frei nach einem Buch von Silvio Blatter auf. Der Zürcher Schriftsteller sass bei der Vorstellung mitten im Publikum. Nach der Vorstellung entwickelte sich eine angeregte Diskussion, während zwischendurch der Regen auf das Zelt prasselte – und die Welt ein klein wenig still stand.“

„Wir schreiben das Jahr 2017, Anfang September. Der Park Platz feiert ein Sommerfest. Nach gefühlten zwei Monaten Hitzewelle sagt die Wetterprognose drei Tage vor dem Termin Übles vorher: Regen. Und noch mehr Regen. Das ganze Wochenende lang. Panisch beginnen alle von uns, herumzutelefonieren und Massnahmen zu ergreifen, um die Bescherung irgendwie noch abzuwenden oder zumindest erträglich zu machen. In der Stadt Zürich herrscht angesichts der Wetterlage ein Kampf um die Festzelte. Durch Glück, Beziehungen und andere Zufälle bringen wir es fertig, praktisch den ganzen Platz mit Zelten zu überdachen, das Areal wird zu einem riesigen Tunnel. Das Fest beginnt, das Programm geht von statten, es kommt die Sintflut – und die Menschen bleiben trotz Zeltlandschaft fern. Fast schon im privaten Rahmen feiern wir also umso feuchtfröhlicher, mampfen die ganzen Empanadas, Grillwaren und Tandoori-Spiesse selber. Wir tanzen so wild bis sich unser Schweiss mit dem Regen vermischt.“

„Auf in den Kampf, Kameraden“, schrie Barba zu ihren Freunden und so rannten die heiligen drei Ratten in Pfeilformation quer über den Park Platz in Richtung dieses grünen Containers. Barba an der Spitze, flankiert von Rauz und Bauz galloppieren sie quiekend zwischen Menschen- und Tischbeinen umher und stibitzen, was unverantwortungsvoll am Boden liegt. Öpfelbütschgis, Teebeutel und ab und zu sogar ein paar Brotbrösmeli. Die jahrelange Übung im urbanen Tortillakrieg macht sich bezahlt. Die raffiniertesten Fallen mögen die Ratten-Gang nicht in ihre Fänge locken und so treiben die drei eine Zeit lang ihren Unfug am Letten. Doch eines Tages, da liess Gambrinus aus dem Turm sein Haar herunter und Barba, Rauz und Bauz konnten dem rosigen Duft des lockigen Haares nicht widerstehen und verschwanden für immer in die Höhen des Turmes. Sie werden nicht vermisst.“   

„Dä Parki isch für mich en Ort voller Lebe! En Ort, wo sich jede mit ere guete Absicht chan beteilige – ob Ukulele Stundä gäh, Velos für Flüchtling sammle oder Kleider tuusche – es isch en Ort wo eim fascht alli Möglichkeite offestönd! Es isch en Ort zum sii, zum sich iihbringe, zum nahdenke und zlerne, en Ort wo mer sich chan d’seel us em Liib tanze aber wo mer au chan verantwortigsbewusst teilnäh ah vielne nachhaltige Events. De Parki isch für mich eifach en Ort, wo mer immer mitme ehrliche Lächle begrüesst wird.“

 

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Fenster II
Fenster
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WS verschieben
1
Sauna
tattoo session

Danke an alle Kuchenbäcker_innen, die etwas fürs Buffet mitgebracht haben, an L'Ultimo Bacio für das leckere Brot, an Rahel und Anabel für die Druckwerkstatt, an Bio für Jede, Joris und Andre für die gekochten und gegrillten Köstlichkeiten, an El Fanfarón, The Wonkers und The Nozez für das musikalische Spektakel, an alle Helfer_innen rund um das Fest und an alle Besucher_innen, die für die umwerfende Stimmung gesorgt haben!

 

Bar
brunch
pavillon
The Nozez
Nachtplatz
Bio für jede
The Wonkers
el fanfaron
fähnli
lechenicolecomi
Festbank
andi
spray
Platz hoch
Zelt
Regen
visual
Pfütze
Betrieb offen
Rutschi
Platz
Tribüne
Druck
Druckwerkstatt
brunchtisch
Tribüne
Tribünenbau
test
Container
contaner

Kurzes Statusupdate zu den vergangenen Monaten

Im ersten Jahr ist auf und um den Park Platz neben dem alten Bahnhofgebäude viel passiert. Es wurden Stammtische und Quartierveranstaltungen abgehalten, um Ideen zu sammeln und Interessenten zu finden, die den Platz in Zukunft mit Leben füllen. Es wurden Baubewilligungen eingeholt, Leitungen verlegt und erste Projekte realisiert. Ausserdem wurden zwei Vereine gegründet, die den Park Platz gemeinsam bespielen und es wurde auf Hochtouren an verschiedensten Ecken und Enden gearbeitet, damit die Bauarbeiten voranschreiten und baldmöglichst weitere Projekte durchgeführt werden können. Der Mitgliederverein Parkplatz erfreut sich einer stetig wachsenden Mitgliederzahl und ist bereits tatenkräftig unterwegs. 

Organigramm

Dank intensiver, organisatorischer Arbeit und scharfem Nachdenken konnte nach der ersten Park Platz Sitzung diese sinnvolle Vereinsstruktur entwickelt und dargestellt werden werden. In allen Ressorts kann mitgearbeitet werden!

5. Januar erste offene Park Platz Sitzung mit ungefähr 30 Teilnehmern! Danke fürs Kommen!

Bauarbeiten

Bauarbeiten gehen los und erste Leitungen werden verlegt!

September 2015: Baueingabe für das Kaffee und die Toiletten auf dem Platz wurde bei den zuständigen Ämtern eingereicht

ST
Stammtisch 2015
Zelt
Inforunde
Stammtisch Flyer